Brexit – was Anleger in Friedrichstadt jetzt beachten müssen

Die City – das Londoner Finanzzentrum – bereitet sich auf einen wie auch immer gearteten Brexit vor. Banken, Anlagefonds, aber auch Versicherungsgesellschaften suchen nach Lösungen, wie sie ihr Geschäft auf dem Kontinent weiterführen können. Nicht wenige haben ihr Europageschäft ausgelagert und an eine Tochterfirma in Irland, der Niederlanden, nach Paris oder Frankfurt übertragen. Viele deutsche Anleger sind verunsichert. Zu Recht?

Brexit führt zu Verschiebungen

Der stümperhaft eingeleitete Brexit schafft europaweit Unsicherheit. Natürlich bei den Briten selbst, aber auch bei den deutschen Privatanlegern. Hier sind besonders die Inhaber von Anlagefonds und britischen Lebensversicherungen betroffen. Ich möchte hier die drei wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit diesen Anlagen beantworten. Diese wären:

  • Worin besteht der Unterschied zwischen britischen und irischen Policen?
  • Was geschieht mit dem britischen Pfund?
  • Sollte man britische Kapitalanlagen wegen dem Brexit meiden, bzw. die Anlagen verkaufen?

Neue Vertragspartner für britische Policen

Wenn es etwas gibt, was die Engländer im Zuge des Brexits befürchten, dann ist es der Wegzug der wichtigen Finanzindustrie. Denn durch einen Verlust des freien Marktzugangs müssten die Finanzhäuser mit Wettbewerbsnachteilen kämpfen, die sie viel Geld kosten würden. Und wenn es um Geld geht, sind Banken und Versicherungsgesellschaften bekanntlich frei von Sentimentalitäten…

Aus diesem Grund sehen wir in den letzten Wochen und Monaten, wie immer mehr Unternehmen entweder Tochtergesellschaften auf dem Kontinent gründen oder bestehende Geschäfte an Tochterfirmen im europäischen Ausland verlegen. Genau dies geschieht aktuell bei den britischen Versicherungsgesellschaften.

Um ihre europäischen Kunden weiter bedienen zu können, übertragen sie ihre Bestände an Betriebe mit Sitz auf dem Kontinent. Nach Dublin zum Beispiel im Falle der Standard Life.

Dieses Vorgehen macht Sinn und ist für die deutschen Anleger praktisch folgenlos.  Zumindest ist das kein Grund sich Sorgen zu machen.

Im Grunde ändert sich nämlich auf der Vertragsebene überhaupt nichts. Die neue Gesellschaft übernimmt alle Verpflichtungen aus dem alten Vertrag. An der Anlagepolitik ändert sich auch nichts. Die effektiven Unterschiede liegt tief im Versicherungsrecht begraben. Hier ist im Falle einer Insolvenz, der Anleger schlechter gestellt wie heute.

Also Entwarnung.

Schwächt der Brexit das Pfund?

Stellt sich die Frage, ob das britische Pfund unter dem Brexit leiden wird (und welche Folgend dies für die Friedrichstädter Anleger hat). Hier gibt es eine klare Antwort: Möglicherweise. Möglicherweise aber auch nicht. Niemand weiß es.

Gut möglich, dass es kurzfristig zu Kurseinbrüchen kommen kann. Zwingend ist das aber nicht, denn durch die neuen Freiheiten entstehen für die Briten ja nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile. So drohte die Regierung May (wenn man diese überhaupt so bezeichnen sollte) damit, England zum Steuerparadies für Unternehmer umzubauen.

Wohin das führt weiß kein Mensch und jeder, der Ihnen das Gegenteil erzählt ist ein Scharlatan.

Fazit: Das Pfund könnte steigen, fallen oder seinen Wert halten. Den eigentlichen Absturz hat es auf jeden Fall bereits hinter sich. Die Unsicherheiten rund um den Brexit haben in den letzten drei Jahren nämlich dazu geführt, dass das GBP massiv günstiger geworden ist. Die Panikmacher unter den Ratgebern hätten ihren Rat also besser vor zwei Jahren verbreitet… Konnten sie natürlich nicht, weil sie keine Glaskugel haben und Währungsprognosen das mit Abstand schwierigste und unsicherste Prognosefeld darstellt.

Also Ruhe bewahren.

Raus aus britischen Anlagen?

Der Brexit wird dem Wachstum in Großbritannien ohne Zweifel schaden. Wie stark? Weiß kein Mensch. Schon heute leiden die Engländer und den Folgen. Trotzdem liegt deren Wachstum über jenem der Bundesrepublik und der Euro-Zone.

Auch hier ist es so, dass wir nicht nur die negativen Einflüsse betrachten dürfen. Es gibt auch positive Effekte. Zum Beispiel die erwähnten Steuererleichterungen. Oder ein Plus an Freiheiten bei der Ausgestaltung der Währungspolitik. (Ganz nebenbei: Ein schwaches Pfund würde die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft steigern. Damit würde ein allfälliger negativer Effekt zumindest teilweise kompensiert!)

Tatsache ist, dass ein Investment immer aus Chancen und Risiken besteht und auch in einem schwierigen Umfeld ergeben sich Chancen. Oder bewährte Geschäftsmodelle laufen weiter.

Sie sollten Ihr finanzielles Engagement also weniger danach ausrichten, ob der Brexit nun positive oder negative Effekte auf Großbritannien, sondern ob das Geschäftsmodell erfolgsversprechend ist. Wenn sich daran nichts geändert hat, dürfen sie also gerne in der alten Anlage verbleiben.

Für eine Reaktion wäre es längst zu spät

Lassen Sie sich also nicht verrückt machen. Es ist im Prinzip immer das gleiche Spiel: Wenn Unsicherheit herrscht, haben die Schwarzmaler Oberwasser. Doch es kommt selten bis nie so schlimm, wie die Pessimisten uns glauben machen wollen.

Kommt ein weiterer Punkt hinzu: Angst und Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit sind nicht frisch, sondern konnten sich während der vergangenen zwei Jahre Stück für Stück aufbauen. Diese düsteren Prognosen sind entsprechend schon sehr lange in den Preisen enthalten. Es ist also zu spät, das sinkende Schiff zu verlassen.  Vergessen wir nicht: Die Angst vor der Zukunft ist ein Geschäftsfeld, auf welchem sich viele dubiose Typen (Politiker, Journalisten, Berater) tummeln. Sie profitieren auf unterschiedlichste Weise von der Unsicherheit der Menschen. Lassen Sie sich nicht einwickeln. Niemand kann in die Zukunft sehen. Was wir kennen, ist die Vergangenheit und da haben gerade die britischen Versicherungen und Finanzgesellschaft eine deutlich bessere Performance abgeliefert, wie die Deutschen. Weshalb sollte sich daran etwas ändern? Deshalb mein Tipp: Wenn man nichts Konkretes weiß, sollte man erst einmal die Ruhe bewahren, abwarten und zusehen, wie sich die Dinge entwickeln. Gute Kapitalanlagen sollte man auf lange Sicht beurteilen. Kurzfristig Schwankungen liegen da durchaus einmal drin. Das gleicht sich in guten Zeiten wieder aus. Ein Grund für Panik ist das nicht.

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