Jetzt erst recht!

Ich lag mit meiner Prognose völlig falsch!

In der letzten Printausgabe von »1621« habe ich prognostiziert, dass der Wettbewerbsbeitrag von Friedrichstadt zur Zukunftsstadt demnächst einen verdienten Tod sterben wird. Dumm gelaufen. Denn weil sich die Drucklegung über Monate hinausgezögert hat, ist der Worstcase eingetreten: Quasi zeitgleich mit der Verteilung wurde bekannt, dass Friedrichstadt sich für die nächste Runde qualifiziert hat. Ein Schock von dem ich mich erst erholen musste … Nun ist aber an der Zeit, endlich darauf zu reagieren. Und die Reaktion kann eigentlich nur eine sein: jetzt erst recht!

Wettbewerb gewonnen, Chance verspielt

Ganz ehrlich: Von meiner Behauptung, dass der Wettbewerbsbeitrag eine einzige verlorene Chance ist, rücke ich keinen Millimeter ab. Aber darum geht es in einem Wettbewerb auch gar nicht. Es geht darum die Kriterien zu erfüllen und abzuräumen. Das haben die Verantwortlichen geschafft – was bei mir natürlich die Frage aufwirft, was die anderen Teilnehmer geleistet haben…

Aber um ganz ehrlich zu sein, habe ich mich darum nicht explizit gekümmert. Es ist mir eigentlich auch egal. Denn für mich ist der Wettbewerb Zukunftsstadt nicht wirklich ein Spiel, bei dem es darum geht einen Preis abzuräumen. Für mich wäre das eine der seltenen Gelegenheiten gewesen, sich in eine Art Zukunftswerkstatt einzubringen und das eigene Dasein neu zu durchdenken. Ein Preis in Höhe von 500.000 € ist rasch verpulvert. Die Umsetzung eines tragfähigen Zukunftskonzeptes hinterlässt viele Jahre tiefe Spuren.

Genau deshalb fand und finde ich den Friedrichstädter Beitrag so bescheiden. Weil er weitgehend von (bezahlten) Theoretikern, für Theoretiker gestaltet wurde. Lieblos und blutleer. Weil er bei den eigentlichen Beteiligten, den Bürgern der Staat, nichts auslösen wird.

Ablehnung ist besser wie gar keine Reaktion

Für die letzte Printausgabe habe ich viel Lob bekommen. Und noch viel mehr Kritik einkassiert. Ich wurde als Klugscheißer und Besserwisser bezeichnet. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut. Nicht, weil ich gerne als solcher bezeichnet werde, sondern weil ich damit mehr Emotionen ausgelöst habe, als der Wettbewerbsbeitrag das je tun wird. Und weil es zeigt, dass »1621« tatsächlich gelesen wurde.

Im Übrigen ist die Bezeichnung „Klugscheißer“ natürlich ein hilfloser Begriff. Sie kommt meistens von Menschen, die glauben klüger zu sein, sich aber nicht die kleinste Mühe geben, es zu beweisen. Deshalb diese herablassende Formulierung.

Bei Besserwisser ist das anders. Ist natürlich auch nicht positiv gemeint, aber sie weist auf ein mögliches Problem hin. Besserwisser sind Menschen, welche auf alles eine Antwort haben. Eine die immer besser ist wie alles, was sonst so geäußert wird. Eine solche Aussage trifft mich schon, weil sie einfach nicht wahr ist. Zumindest nicht im Zusammenhang mit »1621«.

Beim Stadtjournal »1621« geht es nicht darum, dass eine Meinung oder eine Lösung besser ist wie andere. Es geht darum, dass sich verschiedene Positionen präsentieren und man in einem fairen Meinungswettstreit eine gemeinsame Annäherung schafft, welche insgesamt besser ist wie eine Einzelposition. Um diesen Diskurs zu wecken, steht »1621« allen Bürgern und Bürgerinnen offen.

Jetzt erst recht! Was wir besser machen wollen

Ich habe mich geirrt. Meine Einschätzung, dass Friedrichstadt aufgrund seiner mangelhaften Darbietung mit Bausch und Bogen aus dem Wettbewerb geworfen wird, war falsch. Diese Feststellung fällt mir nicht schwer. Es fällt mir kein Zacken aus der Krone, dies hier offen zu bekennen. Warum auch? Ein Diskurs kann nur funktionieren, wenn man seine Fehler und Schwächen erkennt und sie korrigiert. Entweder, indem man auf sein Gegenüber zugeht (Deine Argumente sind hier und dort besser, also übernehme ich sie) oder indem man Neues entwickelt und den Diskurs weiterführt.

Ganz nebenbei: Wir vertreten die Ansicht, dass es hilfreich ist, offen zu eigenen Fehlern und Fehleinschätzungen zu stehen. Eine ehrliche Fehlerkultur erlaubt es rechtzeitig Korrekturen vorzunehmen und allfällige Schäden zu begrenzen. Und es schafft Glaubwürdigkeit.

Nun, da klar ist, dass ich mich hinsichtlich der Chancen des Wettbewerbes geirrt habe, ist es jetzt erst recht wichtig, an einem Gegenentwurf zu arbeiten. Ich werde mich dieser Aufgabe nicht verweigern. Denn hier geht es nicht um mich oder »1621«, hier geht es darum das Beste aus der Situation zu machen.

Zukunftsstadt Friedrichstadt – wir sind dabei!

Entsprechend werden wir uns an der weiteren Entwicklung der Zukunftsstadt aktiv beteiligen. Ich kann inzwischen von „wir“ sprechen, weil wie bereits berichtet, die Redaktion von »1621« durch Christine Ax erweitert wurde.

Wir werden dabei aber nicht nur am Seitenrand stehen und die Fortschreibung der Entwicklung beschreiben. Wir werden uns aktiv einbringen. Mit eigenen Vorschlägen, eigenen Ideen, eigenen Projekten. Und wir werden Hand anlegen, um anderen zu helfen, wenn dies notwendig und gewünscht ist.

Was wir aber mit Sicherheit nicht machen werden: Für eine Wettbewerbskommission zu arbeiten. Es kann nicht darum gehen. Preise einzuheimsen und Lobhuldigungen (verdient oder unverdient) zu sammeln. Es geht – jetzt erst recht! – darum, dass wir Friedrichstadt nachhaltig prägen. Nicht für irgendein finsteres Ministerium und auch nicht, weil wir uns wieder irgendeinen Fördertopf erschließen können. Es muss einzig und allein darum gehen, die Zukunftsaussichten einer alten Stadt zu verbessern.

Fortsetzung folgt. Versprochen!

 

Mehr zum Thema:

https://www.innovationsplattform-zukunftsstadt.de/index.html

https://www.wettbewerb-zukunftsstadt.de/index.php?id=109

http://friedrichstadt.pageflow.io/friedrichstadt-was-machst-du#49629

http://rathaus-friedrichstadt.de/media/custom/3093_33_1.PDF?1527514856

 

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