Märchenhaft: Eine orientalisch-norddeutsche Matinee

Friedrichstadt, 11. März 2019. Die Matinee, zu der Ilse Egel (Galerie Schönes & Sinniges) eingeladen hatte, verwandelte ihre Räume in der Prinzenstrasse in einen märchenhafteren Ort. Erst erzählte die Malerin, Restauratorin und Weltbürgerin Elisabeth Massalme aus ihrem wild bewegten Leben. Anschließend überraschte Carola Batt die Künstlerin und die Besucher der Matinée mit einer Gesangsimprovisation und brachte die meisten von ihnen dazu, in ihre gesungene Lyrik mit einzustimmen.

Elisabeth Massalme,  Friedrichstädter Neubürgerin, deren Bilder derzeit in Ilses Galerie (Schönes & Sinniges) zu sehen sind, eröffnete die Matinée mit autobiografischen Erzählungen.

1968 ging die damals 18jährige Saarländerin nach Paris. Dort lernt sie den syrischen Medizinstudenten Moussa Massalme kennen. Gegen den Willen der Familie reist sie mit ihm nach Syrien. In Damaskus musste sie ihre Freund heiraten, damit seine Familie sie in ihr Haus aufnehmen konnte.

Mutig: Ein Leben zwischen zwei Religionen, drei Kulturen und drei Berufen

Ihre Erzählungen zeichnen das Bild einer bemerkenswert mutigen, selbstbewussten und begabten Frau.

Elisabeth Massalme erzählte offenherzig über ihr abenteuerliches Leben. Ihre Bilder, die derzeit in Ilses Galerie zu sehen sind, haben überwiegend einen allegorischen Charakter und Ausdruck des Gefühlslebens der Malerin und Restauratorin.  In dieser Ausstellung spielen die 20er Jahre eine große Rolle.

Als Sie mit ihrem Liebsten nach Syrien reist, war es in ihrer Familie eigentlich noch „ganz unmöglich“ mit einem Ausländer auch nur bekannt zu sein. In Syrien angekommen verwandelt sich Moussa Massalme zwar in einen Mann, den sie „gar nicht mehr kannte“. Dies hinderte sie aber nicht daran, ihn kurz darauf „mit viel Gold und Kamelen“ zu heiraten. Zurück in Saarbrücken erklärt sie ihrem Vater, dass ihm wegen der Nachbarn gar nichts anderes übrig bliebe, als ihren Mann zu akzeptieren. Aber genau genommen zwingt die wild entschlossene ihre Eltern auf diese Weise nur zum eigenen Glück. „Mein Mann und mein Vater waren bis ihrem Tod beste Freunde“, erzählt sie. „Meine Mutter schwärmt noch heute von ihm, weil er so wohl erzogen war und alle älteren Menschen achtete.“

Dithmarschen war lange meine Heimat: Mit der Zeit wurde ich immer mehr nordeutsch

In St. Michaelisdonn in Dithmarschen, findet Familie Massalme für dreissig Jahre ein zu Hause. Dort werden ihre drei Kinder groß. „Dithmarschen ist meine Heimat geworden“, erzählt sie. „Mit der Zeit wurde ich immer mehr norddeutsch“.

Ihren Jugendtraum Kunst zu studieren holt sie in dieser Zeit nach. Drei Jahre lang fährt sie täglich zum Studium nach Hamburg. Dann entdeckt sie ihre Faszination für die Restauration von Kunstwerken und durchläuft die Ausbildung zur Museumsrestauratorin.

Als ihre Kinder größer sind, gibt sie fast täglich Kunstunterricht. Dann packt sie das Reisefieber. In den Pyrenäen verliebt sie sich in eine alte Winzerei und kauft es spontan und (fast) ohne Geld. Dem empörten Ehemann, der den Kauf sofort rückgängig machen will, erklärt sie das wie folgt: „Ich muss Dir zeigen, dass ich erwachsen bin“. Sie ist bis heute stolz darauf, niemals einen Cent von ihm genommen zu haben, um den Kredit für den Hauskauf abzutragen. Ihr Mann habe es ihr später gedankt und er hätte später dort viele gemeinsame, glückliche Tage mit ihr verbracht.

Reisefieber – Abenteuer – Künstlerleben 

In den folgenden Jahren pendelt sie zwischen Südfrankreich, Norddeutschland. Sie malt, stellt aus und arbeitet als Restauratorin. Trotz der vielen Engagements nimmt sie sich aber immer wieder die Zeit, um noch Syrien zu reisen und dort zu leben. Das bleibt sehr lange so, auch nachdem ihr Mann 2007 ganz unerwartet stirbt.

Eine Ausstellung ihrer Bilder in Damaskus vor wenigen Jahren war ein ein großer Erfolg. Sie ist stolz darauf, dass das Ehepaar Assad – in deren Palast sie zeitweise ein und ausging –  und der deutsche Botschafter ihre Ausstellung förderten und eröffneten.

Das Bild, das von den deutschen Medien über Syrien, die Kriegsursachen und das Leben dort gezeichnet würde, sei falsch. Elisabeth Massalme: „In Damaskus gibt es christliche Viertel in denen man freier Leben kann als hier. Ich habe mitten unter Moslems gewohnt und konnte auch in den dortigen Männergesellschaften gut und selbstbestimmt leben. Es kommt immer darauf an, wie man sich gibt.“

Neuanfang in Berlin

2007, nach dem plötzlichen Herztod ihres Mannes, überredet ihr Sohn sie, nach Berlin zu kommen und dort neu anzufangen. Das brauchte allerdings seine Zeit, sagt sie, weil „der arabische Raum in ihr“ so machtvoll war, dass sie sich nirgendwo zu Hause fühlte.

Vor allem die Arbeit als Restauratorin half ihr, wieder Fuß zu fassen. Die Deutsche Botschaft und das Auswärtige Amt schätzen ihr Können und manch ein Kunstobjekt, das beschädigt wurde, findet seinen Weg in ihr Berliner Atelier um dort repariert oder restauriert zu werden.

Was bleibt: Die Sehnsucht nach Norddeutschland 

Ohne Norddeutschland kann und will sie aber nicht mehr leben sagt sie. „Ich fühle norddeutsch“.  Auf ihren vielen Fahrten nach Dithmarschen habe sich in Friedrichstadt, dieses kleine, schöne Örtchen verliebt. Am Stadtfeld 30 hat sie im Februar eine Wohnung gefunden, in der auch Platz für eine kleine Ausstellung ist. Elisabeth Massalme: Wenn das Schild „offen“ zu sehen ist, sagt sie, ist jeder herzlich willkommen einzutreten, die Bilder zu betrachten und mit ihr einen Tee zu trinken. Sie freut sich darauf.

“Ich  male meine Gefühlswelten”

Auf ihre Bilder ging die Malerin Massalme am Ende nur kurz ein. Aber so viel wurde klar. Die Szenen die sie malt haben einen meist einen allegorischen Charakter. So erzählt das Bild in dessen Zentrum eine rothaarige Frau zu sehen ist, die von drei Pantern und drei Tigern umlagert ist, die Geschichte eines schweren Unfalls, den Elisabeth Massalme überlebte. Die Panter stehen für ihre Kinder, die mit ihr im Auto saßen. „Ich male meine Gefühlswelten“, sagt sie. Und freut sich, dass inzwischen auch Bilder von ihr als Auftragsmalerei in der Berliner Charité hängen.

Carola Batt: Gefühlvolle Gesangsimprovisationen

Die Veranstaltung wurde durch eine Gesangsperformance von Carola Batt (Rosenhuis) abgerundet, die manche Musikliebhaber in Deutschland unter einem ganz anderen Künstlernamen kennen und schätzen. Die Sängerin hat mit ihrem Mann Daniel Batt das Rosenhuis aufgebaut und wird ihr Haus am Marktplatz künftig mit musikalischen Angeboten beleben.


Carola Batt improvisierte gefühlvoll und zur Freude aller Gäste über das gemeinsam gehörte.

Carola Batt hatte ihre „Loop“ mitgebracht. Ein elektronisches Aufnahmegerät, mit dem man sehr schnell Hintergrundmusik erzeugen und dem eigenen Gesang unterlegen kann. Ihre Improvisation über das zuvor Gesehene und Gehörte war sehr gefühlvoll und bezauberte alle. Am Ende gelang es ihr Ilses Gäste in eine kurze mehrstimmige Gesangseinlage mit einzubinden, so dass die Matinee einen lustigen und fast ganz und gar harmonischen Ausklang hatte.

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