Seeadler adé!

2012 hatte die „Seeadler“ nach ihrer letzten Reise im friedrichstädter Hafen den Anker festgemacht. Heute wurde das Segelschiff v, om Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz  (LKN) mit einem Kran aus dem Hafenbecken gehoben, demontiert und zur Verschrottung bereitgemacht.

Die Geschichte des Schiffes ist ungewöhnlich.

Der 60 Jahre alte Dreimaster war 25 Meter lang und 80 Tonnen schwer. Gebaut hat ihn der Kieler Künstler und Bildhauer Ralph Heinrich. 20 Jahre lang soll er  seinem Lebenswerk gearbeitet haben. In See gestochen ist damit aber nie. Mehr als 14 Jahre  soll das Schiff als Wohnung in Laboe vor dem Marine-Ehrenmal gelegen haben. 1995 machte die „Seeadler“ Schlagzeilen, als sie von einem Sommer-Orkan versenkt wurde. Der Kieler Künstler gab damals nicht auf und ließ sein Schiff bergen und renovierte es. Ein Brand zwang ihn wenige Jahre später erneut zum Wiederaufbau. Zeitungsberichte sprechen davon, dass Ralf Heinrich sich künstlerisch auf dem Segler verewigt haben soll. „Jede Ecke und jede Tür soll der Erbauer mit aufwändigen Schnitzarbeiten bestückt haben.“ Schrieb die SHZ 2018. Und: „Die einstige Pracht lässt sich nur erahnen, vieles ist inzwischen verrottet.“

Nach dem Tod des Künstlers – er wurde 93 Jahre alt – kaufte ein Friedrichstädter Bürger den Dreimaster, um das Schiff wenig später einem ehemaligen Hamburger Kapitän zu schenken.

Was auch immer die beiden neuen Besitzer sich davon erhofften: Das Schiff wurde weder saniert noch wieder in Betrieb genommen. Es dümpelte in Friedrichstadt malerisch vor sich hin und setzte Moos an. Alle Versuche der Behörden die Eigener dazu zu bewegen, sich um ihr Eigentum zu kümmern, liefen ins Leere.

Nur die LKN behielt das Schiff notgedrungen immer im Auge. Nicht zuletzt wegen des Benzins und der Schmierstoffe, die noch an Bord waren und eine Gefahr für das Hafenbecken darstellten.

Ende letzten Jahres wurde entschieden, das Schiff auf Kosten der der öffentlichen Hand zu entsorgen. Anfang dieses Jahres ging es dann ganz schnell. Letzte Woche wurden die bis zu 30 Meter hohen Masten abgefräst  und zerlegt. Diese Woche wurde das Deck entfernt und heute der Schiffsrumpf von zwei Spezialkränen aus dem Wasser gehoben und auf Land gesetzt. Dem Eigentümer wurde eine Kostennote in Aussicht gestellt, damit nicht die Allgemeinheit die Kosten für diesen letzten Akt übernehmen muss.

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Foto: Ute Boeters https://www.fotoatelier-boeters.de/