Zukunft gestalten macht Spaß

Gemeinsam die Zukunft von Friedrichstadt gestalten

Interview mit Daniel S. Batt, Geschäftsführer der additional advice Services UG (haftungsbeschränkt) und Herausgeber / Redakteur des neuen Friedrichstädter Stadtjournals »1621« über die Stadt, ihre Zukunft uns sein Engagement in Friedrichstadt.

»1621«: Herr Batt, vielleicht beginnen wir erst einmal mit Ihrer Person: Was hat Sie überhaupt nach Friedrichstadt verschlagen. Ihrem Akzent nach zu urteilen, sind sie kaum im Norden Deutschlands groß geworden.

Das ist reiner Zufall. Meine Frau und ich sind in einem Alter, da man sich bereits Gedanken darübermachen sollte, wie das Leben nach der Erwerbsarbeit aussehen könnte. Wir haben uns entschieden, dass dieses Leben handfester werden soll. Weniger Kulisse und künstliche Hektik, dafür mehr Nachbarschaft, mehr Luft, mehr Weite. Und wo gibt es mehr Weite wie im „einzig echten Norden“?

Dass es dann Friedrichstadt werden würde war nicht geplant. Wir haben viele Häuser angeschaut und dann zugegriffen, als uns das Haus am Markt 22 in Friedrichstadt angeboten wurde.

»1621«: Was hat Ihnen an diesem Haus besonders gefallen?

Das Haus als solches ist wunderbar. In einem mäßigen Zustand – was man einem Gebäude mit 350 Jahre Geschichte ja nicht wirklich vorwerfen kann.

Ausschlaggebend war jedoch der Laden.

»1621«: Der Laden? Das müssen Sie uns erklären.

Die meisten Menschen wünschen sich für Alter wahrscheinlich ein kleines, hübsches, gut zugängliches Einfamilienhaus. Meinen Mandanten empfehle ich für diesen Fall allerdings eher eine komfortable Eigentumswohnung mit Lift.

Wir denken jedoch anders: Wir wissen, dass wir in einem relativ hohen Alter an einen neuen Ort kommen, wo wir keine sozialen Bindungen haben. Wir wollen hier jedoch nicht als Aliens leben. Wir wollen uns in irgendeiner Weise einbringen, uns ein neues soziales Netz schaffen und ein Teil der Gemeinschaft werden. Das geht nicht, wenn wir uns ein kleines Häuschen mit Garten kaufen. Zumindest ist es schwierig.

Mit einem Laden haben wir einen Anknüpfungspunkt an die einheimische Bevölkerung. Er erlaubt uns mit ihr in Kontakt zu treten, wenn wir es richtigmachen. Der Laden ist für uns also so etwas wie ein Tor zum Eintritt in die neue Welt.

»1621«: Und was beabsichtigen Sie mit diesem Laden nun in Zukunft zu machen?

Ganz ehrlich? Wir wissen es noch nicht. Wir müssen mit ihm ja kein Geld verdienen. Wir können es in den Dienst der Stadt – also seiner Bürger – stellen. Wir werden uns für den Inhalt entscheiden, wenn wir eine Vorstellung davon haben, wie wir den Menschen hier am meisten Nutzen damit verschaffen können.

Wissen Sie, das ist mir noch wichtig zu sagen: Dieses Haus ist derart exponiert, dass man unabhängig von unserer Person und unseren privaten Befindlichkeiten, nicht irgendetwas da reinstellen sollte. Man hat bei einem solchen Haus eine gesellschaftliche Verantwortung, welche über das persönliche Interesse hinausgeht. Die ganze Häuserzeile ist ein Touristenmagnet. Würden wir das Haus als Dönerbude oder als Sonnenstudio nutzen, wir würden dazu beitragen, dass die Menschen die Friedrichstadt besuchen enttäuscht werden. Die Nutzung dieses Ladens muss die Erwartungen der Besucher erfüllen. Dann fühlen sich diese Menschen hier wohl, bleiben länger, kommen wieder und vor allem, lassen dringend benötigtes Geld in der Stadt.

Das werden wir bei unserer Planung berücksichtigen.

»1621«: Das klingt grundsätzlich vielversprechend. Aber offensichtlich wollen Sie es nicht bei diesem Beitrag bewenden lassen. Was beabsichtigen Sie mit dem von Ihnen neu gegründeten Stadtjournal »1621«?

Das Stadtjournal ist kein eigenständiges Vorhaben. Es ist eingebettet in ein größeres Projekt.

»1621«: Und das wäre?

Es geht darum Menschen dafür zu gewinnen, Friedrichstadt aktiv in die Zukunft zu führen.

»1621«: Ein politisches Projekt also?

Wenn Lebensfreude politisch ist, dann ja. Tatsächlich geht es bei dem Projekt darum das Leben der Menschen hier zu verändern und zwar in einem Ausmaß, welches die klassische Politik niemals erreichen kann.

»1621«: Klingt irgendwie nach Voodoo…

Ganz und gar nicht. Mehr Einfluss als die klassische Politik zu haben ist wirklich keine große Kunst. Die klassische Parteipolitik erreicht die Menschen doch gar nicht mehr, weil sie ihnen nichts zu bieten hat. Sie will unser Leben ständig besser, schöner, gerechter machen. Und um das zu erreichen terrorisiert sie uns mit immer absurderen Regeln und Vorschriften, welche kein Mensch mehr versteht und niemand mehr überblicken kann. Dazu sind ihre Inhalte sind emotionslos und beliebig. Die Menschen leben Politik deshalb längst nicht mehr.

Wir hingegen wollen mit unserem Projekt Wirtschaftspolitik betreiben, welche begeistert. Nicht alle, sondern Einzelne. Nicht mit einer Pauschallösung, sondern individuell angepasst auf die Bedürfnisse jener, welche bereit sind sich darauf einzulassen.

Wir werden das Leben dieser Menschen verändern, das steht außer Frage, weil Sie von uns etwas bekommen, was sie sonst nirgendwo erhalten: aktive Zuwendung und unbürokratische Unterstützung.

»1621«: Haben wir Sie richtig verstanden: Sie haben keinen Plan, wollen aber die Leute damit begeistern? Und das soll funktionieren?

Ja, das trifft ziemlich genau den Punkt. Wir brauchen keinen „Plan“, denn das würde nicht funktionieren. Wenn Wirtschaftspläne von oben verkündet wurden, hat das noch nie funktioniert.

Es gibt selbst in einer kleinen Stadt wie Friedrichstadt genügend Menschen, welche ihren ganz persönlichen Plan haben. Unsere Idee ist, diese Menschen dabei zu unterstützen, diesen Plan erfolgreich oder erfolgreicher zu machen:

Manche wagen es nicht, ihre Pläne umzusetzen. Hier geben wir den notwendigen Anstoß.

Andere sind schon dabei, haben aber die richtige Spur noch nicht gefunden. Hier stehen wir beratend zur Seite.

Wiederum andere sind bereits erfolgreich und brauchen keinen Input. Wenn wir es jedoch schaffen diese Starken lokal besser zu vernetzen, werden sie trotzdem profitieren und ziehen gleichzeitig die anderen ein Stück weit mit.

Und dann gibt es noch die große Mehrheit, welche keinen eigenen Plan hat, sondern einfach nur einen guten, auskömmlichen Job will. Auch die sind wichtig, wenn wir als Gemeinschaft vorankommen wollen. Hier kann es eigentlich nur darum gehen, dieses Potential besser auszuschöpfen. Es zukunftsfähiger zu machen. Jeden einzelnen Menschen besser zu qualifizieren, damit niemand von der Entwicklung abgehängt wird.

Wenn wir Friedrichstadt in die Zukunft führen wollen, müssen alle ihren Beitrag leisten.

Sie sehen, wir haben keinen „Plan“, sondern nur eine Idee, wie so etwas zu organisieren ist.

»1621«: Und weshalb sollte das die klassische Politik nicht auch können?

Stopp. Sie vergleichen jetzt gerade Äpfel mit Bananen. Es kann nicht die Aufgabe der Politik sein individuelles Coaching zu betreiben.

Im Idealfall schafft es die Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche den Bürgern erlaubt erfolgreiche Aktivitäten zu entwickeln. Wir reden hier von Infrastruktur, Bildung, Rechtssicherheit. Das ist die originäre Aufgabe der Politik.

Gute Politiker gehen noch einen Schritt weiter. Sie haben eine grundlegende Vorstellung, wie sich eine Gesellschaft entwickeln sollte und sind Kraft Ihrer eigenen Überzeugung, Ihrer Glaubwürdigkeit und Begeisterungsfähigkeit in der Lage diese Idee weiter zu tragen und andere zu inspirieren. Aber jetzt bewegen wir uns bereits im Bereich der Science-Fiction: Nennen Sie mir eine Persönlichkeit in der Politik, welche diese Eigenschaft mitbringt. Seit Helmut Schmidt gelten Visionäre in diesem Land als Kranke. Und Glaubwürdigkeit finden wir meines Erachtens eh nur noch in homöopathischer Dosis auf lokaler Ebene. Aber dort wo wir sie finden, können diese Menschen oft durch ihr Auftreten mehr bewirken, wie die Landes- oder Bundesregierung unter Einsatz von Steuergeldern.

»1621«: Wie genau sieht denn dieses individuelle Coaching aus?

Man muss hier unterscheiden zwischen bestehenden Unternehmungen und Neugründungen. Das sind zwei ganz unterschiedliche Prozesse.

Betrachten wir erst einmal die Neugründungen. Hier gilt es die in einer euphorischen Grundstimmung entwickelte Geschäftsidee in ein funktionierendes Geschäftsmodell zu überführen. Das klingt leichter als es ist. Als kaufmännisch denkender Berater tritt man hier nämlich oft als Spaßbremse auf. Die Kunst besteht darin, dabei nicht als Spielverderber zu wirken. Das funktioniert, wenn man glaubwürdig bestrebt ist nach gangbaren, erfolgsversprechenden Wegen zu suchen.

Wir begleiten Neugründer also durch den ganzen Prozess: Businessplan, Finanzierung, das rechtliche Gründungsprozedere, Marketing, Vertrieb, Aufbau des Geschäftsbetriebes.

Wo es uns angezeigt erscheint, sind wir sogar bereit für eine gewisse Zeit kostenlose Manpower, etwa in Form eines BackOffice zur Verfügung zu stellen.

Bei besehenden Firmen ist das Vorgehen natürlich ein anderes. Hier geht es um eine Soll-Ist Analyse. Wir nehmen also auf, was die Unternehmung theoretisch bezweckt und vergleichen es mit dem, was wir tatsächlich sehen. Und daraus ergeben sich dann Handlungsvorschläge. Das klingt jetzt etwas abstrakt. Tatsächlich ist es so, dass wir uns der Geschäftsführung als „neutrale“ Gesprächspartner ohne eigene Interessen anbieten. Das klingt nicht spektakulär, ist jedoch ziemlich effektiv. Außenstehende, zumal solche mit einem großen Erfahrungsschatz und breiten Vergleichsmöglichkeiten, beurteilen gewachsene Prozesse und Strukturen naturgemäß oft anders, als die Direktbetroffenen.

»1621«: Was unterscheidet Sie denn da noch von einem normalen Unternehmensberater?

(Lacht!) Der Glamour-Faktor. Es geht hier nicht um Show. Deshalb keine aufwändigen Excel-Tabellen und PowerPoint-Präsentationen, sondern ein Gespräch auf Augenhöhe. Keine Belehrung, sondern eine Diskussion, mit dem Ziel dem Unternehmer die richtigen Fragen zu stellen und notwendige Verbesserungsmöglichkeiten gemeinsam zu erarbeiten.

Und natürlich der Blick fürs Ganze.

»1621«: Was verstehen Sie darunter?

Dem Unternehmer oder der Unternehmerin geht es darum, das Unternehmen zu stärken. Er oder sie handelt aus Eigennutz – was ja auch o.k. ist.

Wir denken in der Dimension Friedrichstadt. Uns geht es darum, dass am Ende alle profitieren. Deshalb werden wir immer versuchen lokale Synergien zu schaffen und zu nutzen.

Ohne gemeinsame Anstrengungen wird es auf Dauer nicht gehen. Wir befinden uns in einer wirtschaftlichen Randregion. Der Trend geht immer mehr in Richtung Zentrum. Wenn wir die verfügbaren Kräfte nicht bündeln, verschenken wir nicht einfach wertvolle Ressourcen an Zeit und Kapital, sondern auf lange Sicht auch unsere Zukunft.

»1621«: Sind Sie da nicht etwas gar pessimistisch?

Nein, überhaupt nicht. Wenn es uns nicht gelingt die Region auf eine wirtschaftlich solide Grundlage zu stellen, wird Friedrichstadt einen langsamen Tod sterben. Da helfen dann auch die 400 Jahre Geschichte nicht mehr.

Ohne funktionierende Wirtschaft gibt es für die Jugend der Stadt hier keine Zukunft. Sie wandern ab und lassen die Alten zurück. Für diese Prognose braucht es weder ein Studium, noch eine Kristallkugel. Es reicht ein Blick in den Osten der Republik.

»1621«: Kleiner Themenschwenk. Sie haben zu Beginn des Gespräches gesagt, Ihr Projekt würde Lebensfreude vermitteln. Bisher erkennt man aber nur den Willen so etwas wie Wirtschaftsförderung zu betreiben.

Das liegt womöglich daran, dass sie Wirtschaft nur mit Geld assoziieren und mehr Betriebserfolg mit mehr Gewinn für die Unternehmer.

Das ist aber nicht der Ansatz, den wir mit unserem Projekt wählen.

»1621«: Dann müssen Sie Ihre Pläne tiefer ausführen.

Wir sind überzeugt, dass ein wirtschaftliches Aufblühen der Stadt nur möglich ist, wenn die Gemeinschaft gestärkt wird. Wenn wir mehr und offen miteinander ins Gespräch gehen. Wenn wir dabei Gemeinsamkeiten suchen und diese zum Vorteil aller nutzen. Gemeinsamkeit, statt Streit und Neid. Das ist Lebensqualität.

Ein verbessertes Gemeinschaftsgefühl, wirtschaftliche Sicherheit, positive Zukunftsaussichten – wenn das keine Grundlage für mehr Lebensfreude ist…

»1621«: Wirtschaftskraft stärken, Gemeinschaft festigen, Lebensqualität schaffen – das könnte einem politischen Programm entnommen sein. Weshalb gehen Sie nicht den Weg über die klassische Politik?

Ich könnte jetzt den Umstand vorschieben, dass mir das als Ausländer schwerfallen würde. Aber das ist nicht der Grund. Es gibt eine allgemeine und eine persönliche Antwort auf diese Frage.

Wie ich schon erwähnt habe, verfolgt die Politik eine andere Herangehensweise. Nennen wir es eine „Bottom-up –Strategie“: man versucht optimale Grundvoraussetzungen zu schaffen, damit Einzelerfolge überhaupt möglich sind. Ich bevorzuge die „Top-down-Strategie“: Einzelerfolge ermöglichen, damit am Ende indirekt alle oder zumindest möglich viele Bürger davon profitieren. Der Unterschied zwischen den beiden Herangehensweisen ist, dass ich Einzelerfolge auch bei einer mangelhaften allgemeinen Grundlage erzwingen kann. Schaffe ich eine gute allgemeine Grundlage, hat man noch nichts erreicht. Man kann nur hoffen, dass sich Einzelerfolge einstellen.

Persönlich hätte ich zudem für den politischen Weg keinen Nerv. Ich habe 10 Jahre Erfahrung darin, hilflos zusehen zu müssen, wie aus parteitaktischen Gründen gute Ansätze zersägt werden, weil man dem politischen Gegner nichts gönnen mag. Ich arbeite gerne, ich kämpfe gerne, aber die Kraft dazu schöpfe ich aus positiver Energie. Gezänk, Machtspielchen, endloses Debatten, unredliches Verhalten, faule Kompromisse, Obstruktion, das alles kostet mich Kraft und Motivation.

Vergessen Sie nicht, ich mache das alles aus Spaß.

Schlussendlich machen wir hier natürlich trotzdem Politik. Allerdings nicht Parteipolitik, sondern Standortpolitik. Also eine Politik ohne Machtoption. Es geht nicht um Posten, Einfluss oder persönliche Pfründe, sondern um eine große Idee und um den Spaß den es macht, diese umzusetzen.

»1621«:  Und was genau verstehen Sie unter Spaß?

Das liegt doch auf der Hand. Der Mensch ist ein soziales Wesen.

In unserem Projekt werden wir auf verschiedenen Ebenen zusammenarbeiten und uns dabei gegenseitig stärker machen. Ob im Marketing, bei kleinen Wirtschaftsprojekten, bei Veranstaltungen, beim Lehren und Lernen oder einfach nur, wenn es darum geht den besten Weg zu diskutieren.

Das Projekt wird Brücken schlagen. Zwischen Einzelpersonen, Gruppen, Schichten. Es wird für alle ein Gewinn sein. Nicht nur finanziell, sondern in erster Linie, weil wir es zusammen machen.

»1621«: Klingt nach viel Arbeit. Weshalb sollen die Bürger von Friedrichstadt da mitmachen

Weil sie keine Alternative haben. Wenn Sie nichts machen, wird diese Stadt sterben. Nicht schnell, sondern langsam. Die Jungen ziehen weg, die Fachkräfte verschwinden, das Gewerbe wird immer mehr verschwinden. Es ist absehbar, in welche Richtung der Liegenschaftsmarkt in Friedrichstadt sich entwickeln würde: Ohne Menschen, Gewerbe, Arbeit gibt es keine auskömmlichen Mieteinnahmen. Investitionen werden ausbleiben, die Substanz zerfällt. Die Nachfrage und damit der Preis geben nach. Am Ende werden von der Vergangenheit nur noch die alten Menschen übrigbleiben, aber niemand der sie pflegt und versorgt.  Zumindest keine Einheimischen.

»1621«: Provokante Frage: Weshalb sollen die Menschen ausgerechnet Ihnen folgen? Einem Neuzuzüger, welcher erst einige Monate hier ist und noch nicht einmal hier wohnt?

Vergessen Sie erst einmal meine Person. Es geht hier nicht um mich. Weder werde ich diese Initiative alleine tragen, noch will ich auch nur den Anschein erwecken, ich wolle vorgeben wie sich die Stadt und ihre Wirtschaft entwickeln sollen. Ich liefere lediglich die Aktivierungsenergie, bin also so etwas wie der Katalysator um die schlummernden Kräfte der Selbstheilung zu wecken.

Übrigens sehe ich den Neuzugezogenen in dieser Angelegenheit nicht als Nachteil. So bin ich weder betriebsblind, noch gehöre ich irgendeiner Fraktion an. Ich bin also unvoreingenommen und unverdächtig.

»1621«: Und wie sieht ihr Katalysator aus?

Begeisterung. Ich kann Menschen begeistern und ihnen die Angst nehmen. Es ist immer dasselbe: jede noch so große Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Ich kann helfen ihn zu machen und ich bin in der Lage dafür zu sorgen, dass der Schritt tendenziell in die richtige Richtung geht.

Ich bin bereit, einen Teil meiner Arbeitskraft, einen Teil der verfügbaren Manpower unseres Betriebes, unsere Räumlichkeiten am Markt 22 und einen überschaubaren Geldbetrag in die Waagschale zu legen.

Aber wir – meine Frau, meine MitarbeiterInnen, ich – werden nicht die Hauptarbeit leisten. Wer profitieren will, muss in jedem Fall einen Eigenbeitrag leisten.

»1621«: Weshalb tun Sie sich das an? Wo profitieren Sie?

Meine Lieblingsfrage! Ich arbeite hier kostenlos. Das einzige was ich fordere ist, dass jene für die ich mich einsetze, ebenfalls Vollgas geben. Null Risiko! Trotzdem scheinen sich alle nur dafür zu interessieren, welchen Profit ich haben könnte. Es geht nicht darum, ob und wie stark man selber profitiert, sondern wieviel ich profitiere!

Witzig (lacht). Besser kann man Deutschland wahrscheinlich beschreiben.

Aber im Ernst. Ich muss hier nicht profitieren. Ich brauche kein zusätzliches Einkommen, noch halte ich Bauerwartungsland, welches an Wert gewinnen könnte.

»1621«: Das führt beinahe zwangsläufig zur Frage, weshalb Sie sich das Ganze denn antun.

Falsche Frage, basierend auf einer falschen Grundeinstellung.

Geld ist nicht alles im Leben. Freude, Beziehungen, Erfüllung in dem was man tut sind mindestens ebenso wichtige Ziele, welche man sich setzen sollte.

Dieses Projekt wird Spaß machen. Es ist etwas, was ich allen Interessierten gleich zu Beginn sage: das Ganze macht nur Sinn, wenn wir neben dem wirtschaftlichen Aspekt auch unseren Spaß haben. Wir nehmen uns Großes vor, arbeiten intensiv und wir riskieren etwas. Aber bei allem Ernst müssen wir dabei auch lachen können. Das ist wichtig, denn es lindert den Schmerz und gibt Energie weiter zu arbeiten, wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellen sollte.

Wenn wir freundschaftlich miteinander umgehen, lachen und Spaß haben, werde ich am Ende auf meine Kosten kommen. Wenn das nicht möglich ist, wird mir die Motivation irgendwann abgehen. Das würde aber auch der Fall sein, wenn ich dafür Geld bekommen würde.

»1621«: Das Ganze erinnert etwas – bitte verzeihen Sie diesen Vergleich – an einen Scheich, der einen darbenden Fußballverein in eine scheinbar glorreiche Zukunft führen will. Erklären Sie uns, weshalb Sie kein falscher Prinz aus Saudi-Arabien sind.

Das Wichtigste vorneweg: wir sind nicht reich, und wollen auch gar nicht den Anschein erwecken Millionen in Friedrichstadt investieren zu wollen.

Wir versprechen auch keine glorreiche Zukunft und wenn eine solche bevorstehen sollte, dann wohl nicht wegen uns.

Was wir erreichen wollen ist, dass die Menschen anfangen ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, statt auf irgendein Wunder von außen zu hoffen. Das wird nicht kommen. Will sich Friedrichstadt weiterentwickeln, müssen die Bürger Eigeninitiative zeigen. Unser kleiner Beitrag wird sein, ihnen dabei mit Rat zur Seite zu stehen, sie aktiv bei Marketing und Vertrieb zu unterstützen und wo nötig, möglich und gerechtfertigt eine Starthilfe bei Raum und BackOffice zu gewähren.

Eine saudische-Scheich-Fata-Morgana sieht anders aus.

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